Was ist Kritik?

24.03.2026 — 26.03.2026
Tübinger Forum für Wissenschaftskulturen, Hörsaal (1. Stock)
Doblerstr. 33, 72074 Tübingen

Thema des Workshop
Die gesellschaftlichen Verhältnisse erscheinen erstarrter denn je – ganz gleich, ob wir auf die Zuspitzung sozialer Ungleichheiten, ökologische Krisen oder den Aufstieg autoritärer Politikformen blicken. Angesichts dieser Ausgangslage ist kritische Reflexion auf die Struktur unserer Gesellschaft notwendig. Kritik wirkt dabei als Instrument, um scheinbar Alternativloses infrage zu stellen. 
Der interdisziplinäre Workshop „Was ist Kritik?“ geht der Frage nach, wie Kritik als wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Praxis verstanden werden kann. Hier setzten wir an:  Was heißt es heute, kritisch zu sein – als Studierende, als Bürger:innen, als Teil der Universität? Wir wollen gemeinsam über die Macht der Infragestellung nachdenken: Verhältnisse als historisch geworden und damit grundsätzlich veränderbar zu begreifen. Wer oder was ist Gegenstand der Kritik? – Im Mittelpunkt stehen das Recht und seine Institutionen sowie Diskurse, Machtverhältnisse und kulturelle Praktiken, die gesellschaftliche Ordnung stabilisieren – oder infrage stellen.  Aus welchen theoretischen Traditionen speist sich (legitime) Kritik, und wie verhalten sie sich zueinander?

Unsere Gäste
Philipp Wissing
 (LMU München & Leuphana Universität Lüneburg)
Philipp Wissing lehrt und forscht nach Funktionen als Tutor an der LMU München und als Lehrbeauftragter an der Leuphana Universität Lüneburg am Lehrstuhl für kuratorische Praxis und Architekturgeschichte der TU München. Außerdem berät er gemeinnützige Organisationen wie Blueprint for Free Speech e.V. bei der Umsetzung innovativer zivilgesellschaftlicher Projekte. 

Prof. Dr. Isabel Feichtner (Rechtswissenschaften, Julius-Maximilians-Universität Würzburg)
Prof. Dr. Isabel Feichtner ist Professorin für Öffentliches Recht und Wirtschaftsvölkerrecht an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. In ihrer Forschung verbindet sie Völker- und Wirtschaftsvölkerrecht mit einer Perspektive der Law & Political Economy: Im Mittelpunkt stehen die Verteilungswirkungen von Recht, Fragen demokratischer Gestaltung sowie das Recht der Commons — u. a. in Bereichen wie transnationalem Rohstoffrecht und im Kontext sozial-ökologischer Transformation. In ihrer jüngsten Monographie „Bodenschätze. Über Verwertung und Vergesellschaftung“ (Hamburger Edition, 2025) untersucht Isabel Feichtner, wie Stadt- und Landboden sowie der Meeresboden durch rechtliche und ökonomische Praktiken zu verwertbaren Ressourcen werden. Zugleich arbeitet sie Formen des Widerstands und rechtliche Handlungsoptionen heraus: Wie können „Gegenrechte“ und institutionelle Alternativen dazu beitragen, Boden als Gemeinsames zu schützen und Commons zurückzugewinnen, sodass Fragen der Bewohnbarkeit und demokratischen Gestaltung in den Mittelpunkt rücken.

Prof. Dr. Dr. Maximilian Pichl (Politische Theorie, Frankfurt University of Applied Sciences)
Prof. Dr. Dr. Maximilian Pichl ist Professor für Recht der Sozialen Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences mit den Schwerpunkten Demokratie, Partizipation und Rechtsstaatlichkeit. Seine wissenschaftliche Arbeit ist von einer Perspektive auf Recht als umkämpftes gesellschaftliches Feld geprägt. Ihn interessiert dabei besonders, wie Recht in gesellschaftlichen Konflikten wirkt — als Instrument staatlicher Ordnungspolitik ebenso wie als Ressource für demokratische Gegenmacht, Grund- und Menschenrechte und solidarische Praxis. In seiner Forschung verbindet er daher kritische Rechtstheorie und (rechts-)politische Analysen mit Fragen des Flüchtlings- und Migrationsrechts sowie des Polizeirechts. Zu seinen aktuellen Publikationen zählt Law statt Order. Der Kampf um den Rechtsstaat (Suhrkamp, 2024), in dem er die politische Umdeutung von „Rechtsstaat“ analysiert und an die Tradition juristischer Kämpfe gegen staatliche Willkür anknüpft. 

Moritz Zeiler (Politik- und Geschichtswissenschaft, Gesellschaft für kritische Bildung)
Moritz Zeiler ist Politikwissenschaftler und Historiker. In seiner Bildungs- und Publikationstätigkeit arbeitet er zu Fragen kritischer Gesellschaftstheorie – insbesondere marxistischer Theorie, Staats- und Herrschaftstheorie sowie zur Geschichte sozialer Bewegungen und zu Antisemitismus. Ein Schwerpunkt seines akademischen Arbeitens liegt auf der verständlichen Vermittlung materialistischer Theorieansätze in Seminaren, Lektürekursen und Workshops. So war er u. a. wissenschaftlicher Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Initiative (Bremen) im Bereich Veranstaltungsprogramm und ist dort weiterhin in Formaten politischer Bildung präsent. Zu seinen Veröffentlichungen zählt die Textsammlung „Staatsfragen – Einführungen in die materialistische Staatskritik“ und der mit Valeria Bruschi herausgegebene Band „Das Klima des Kapitals. Gesellschaftliche Naturverhältnisse und Ökonomiekritik“. Ergänzend dazu konzipiert er Formate politischer Bildung, in denen Zugänge zu materialistische Theorieansätze gemeinsam erarbeitet werden.

Bewerbung
Bewerben können sich deutschsprachige Studierende, Promovierende und Postdocs aus unterschiedlichen Fachrichtungen.

Bewerbungsfrist: 15. Februar 2026
Rückmeldung: bis spätestens 30. Februar 2026
Kosten: Reisekosten werden übernommen, Übernachtungskosten können anteilig erstattet werden.
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an: michael.herrmann@tfw.uni-tuebingen.de